Das Bild zeigt einen geschürten Grill

Auf ein Wort: Eine Grill-Expertin im Interview

7. August 2017

Im Juli hat unsere Kolumnistin Rita in ihrer Kolumne „Frauenversteher“ humorvoll über den » Geschlechterkampf am Grill berichtet. Auf » Facebook wurde dann fleißig diskutiert, ob Grillen wirklich ein Urinstinkt der Männer ist. Hierzu hat sich dann auch die Bielefelderin Ilse Benders-Rexin zu Wort gemeldet, denn Grillen ist ihr Fachgebiet. „Grillse“, wie sie auch genannt wird, ist eine wahre Meisterin am Grill und wurde für ihre Fähigkeiten im Zuge mehrerer Grill-Wettbewerbe ausgezeichnet. Wir haben diese einmalige Gelegenheit wahrgenommen und der Heldin am Grill einige interessante Fragen gestellt und sie nach ihren Lieblingsrezepten und Geheimtipps gefragt.

Zu Beginn wollen wir Dich etwas fragen, das uns schon lange unter den Nägeln brennt: Den Satz „Frauen an den Herd, Männer an den Grill“ kennen wir alle – was denkst Du, warum Grillen für viele ein Männerding ist?

Das ist in meinen Augen ganz einfach zu erklären: Männer hassen es, die Küche zu putzen. Wenn sie hinter dem Grill stehen, sind sie von diesem lästigen Part befreit. Meistens sind eh die Frauen für das Marinieren des Grillguts und die Vorbereitung der Beilagen zuständig und damit auch für den Abwasch danach. Die meisten Männer fühlen sich da mit einer Flasche Bier hinter dem Grill ganz gut aufgehoben.

In der Werbung wird dieses Klischee im Sommer gerne aufgegriffen. Auf welche Vorurteile triffst Du, wenn Du bei Grillmeisterschaften antrittst?

Die Teams bei den Meisterschaften sind bunt gemischt, obwohl man schon sagen muss, dass Frauen trotzdem oft eher im Hintergrund stehen. Generell treffe ich meistens auf sehr interessierte Menschen, die mich häufig nach Ratschlägen zu meinem Hobby fragen. 95% der blöden Sprüche bekommt man eher von denen zu hören, die selbst nicht richtig grillen und lediglich fertig mariniertes Fleisch auf den Grill schmeißen. Das hat dann eher etwas mit Unwissenheit zu tun und dann denke ich mir nur „Du Greenhorn, lass Du erst mal so viele Würste verkohlen wie ich, dann sehen wir weiter!“ (lacht)

Zusammen mit vier Mitstreiterinnen hast Du im Finale vom deutschlandweiten Grill-Wettbewerb „Grill-Giganten 2015“ das Männerteam besiegt. Wie habt Ihr Euch gegen die männliche Konkurrenz durchgesetzt?

Die Teilnehmer der Grill-Wettbewerbe bekommen immer schon zuvor das Thema des Wettbewerbs mitgeteilt, wie etwa „Frühlingsgrillen“, „Grillen für die Festtage“ oder „Südafrika“. Durch viel Kreativität, gewissenhafte Abstimmung und vor allem durch grandiose Teamarbeit waren wir dem Männerteam um einiges voraus. Wir haben uns zuvor einen klaren Ablaufplan auf Karteikarten notiert und hatten auch unsere Rezepte griffbereit. In einigen der Männerteams kam es zu kleinen Machtkämpfen hinter den Grills, weil sich viele Teilnehmer wie kleine Könige benommen haben und sich dadurch im Weg standen. Außerdem waren wir eindeutig kreativer!

Drei Arten des Grillens_ Elktro, Gas und Holzkohle.

Die Glaubensfrage schlechthin: Elektrogrill, Gas oder Holzkohle?

Der Elektrogrill ist grundsätzlich meine letzte Wahl, aber bevor ich auf das Grillen verzichten muss, kommt auch dieser in der heimischen Küche zum Einsatz, keine Frage. Zum Gasgrill greife ich auch sehr gerne, da man mit Gas sehr gut indirekt grillen kann. Beim indirekten Grillen bringe ich das Fleisch außerhalb der heißen Zone auf Kerntemperatur und gebe ihm anschließend auf dem richtig heißen Rost das Branding.

Das Grillen ist ja quasi seit vielen Jahren ein fester Bestandteil Deines Lebens, Du nennst Dich humorvoll „Grillse“ und verschickst sogar „heiße Grüße“. Wie bist du überhaupt zu diesem Hobby gekommen?

Meine Laufbahn als „Grillse“ begann schon in jungen Jahren, als ich als Teilnehmerin bei Zeltlagern des CVJM dabei war. Ich wurde dazu verdonnert Würstchen zu grillen sowie Stockbrot und Feuer zu hüten, während die Betreuer knutschend in den Büschen hingen. Seitdem grille ich, was das Zeug hält: auf Geburtstagen, Hochzeiten, Firmenfeiern und natürlich auch auf Meisterschaften wie auf der NRW- oder der Deutschen Grillmeisterschaft. Immer wieder gefällt mir das Ambiente und das Ursprüngliche, oder wie ich es gerne nenne, das „Archaische“ am Grillen.

Im Durchschnitt grillt jeder Deutsche 13 Mal pro Jahr. Wie oft wird bei Dir gegrillt?

So 60-70 Mal im Jahr! Denn gegrillt wird bei uns zu jeder Jahreszeit und auch auf allen Grills. Kohle, Gas und auch auf dem Elektrogrill, die Grillwahl erfolgt je nach Location.

Was ist Dein Lieblingsrezept?

Da gibt es viele verschiedene, wie zum Beispiel Schaschlik-Spieße. Dafür stecke ich Leber, Niere, Speck und Stücke vom Nacken auf Holzspieße und lege die Spieße mindestens einen Tag in Kefir ein. Dadurch wird das Fleisch unglaublich zart. Eine Freundin von mir aus Usbekistan hat mir den Tipp gegeben, das Ganze durch Kiwi-Stücke zu verfeinern, so wird es zu einer echten Geschmacksexplosion. Zum Schaschlik gibt es dann Folienkartoffeln und leicht gebräunte Brotscheiben vom Grill. Flanksteak mit in Rotwein eingelegten Schalotten könnte ich auch immer grillen! Aber bei mir muss es nicht immer nur Fleisch sein, auch wenn sich das gerade so anhört. Finnischer Flammlachs und verschiedene Fisch-Rezepte gehören auf jeden Fall auch zu meinen Grill-Favoriten.

Das Bild zeigt Lachs auf dem Grillrost.

Was war das Verrückteste, was Du bisher gegrillt hast?

Nachdem ich so häufig hinter dem Grill stehe, bin ich schon auf einige Ideen gekommen. Manchmal landen durchweichte Mettbrötchen statt im Mülleimer auf dem Grill! Durch die indirekte Hitze verwandelt sich ein Grill mit Deckel schnell in einen Backofen. So habe ich auch schon Brownies, Kokosmakronen und Kuchen gebacken.

Welche Tipps kannst Du uns für das nächste Grillfest geben?

Erstmal solltet Ihr für das Grillen immer viel Zeit einplanen. Es ist wichtig, dass Ihr alles zuvor vorbereitet und es dann in der richtigen Reihenfolge auf den Grill legt. Ein echter Grillprofi verlässt seinen Arbeitsplatz übrigens nie! Außerdem muss Fleisch, das aus dem Kühlschrank kommt, auch chambriert werden. So wie man Käse und Wein vor dem Verzehr auf Zimmertemperatur bringt, muss auch das Fleisch, bevor es auf dem Rost landet, rechtzeitig aus dem Kühlschrank genommen werden. Viele machen auch den Fehler, das Grillgut bereits vor dem Grillen ordentlich zu pfeffern. Doch Pfeffer verbrennt auf dem Grill und verliert dadurch sein gutes Aroma. Deswegen sollte man während der Vorbereitung nur salzen und mit Kräutern würzen, der Pfeffer darf dann vor dem Verzehr auf das Steak. Ein Geheimtipp von mir ist mein spezieller Kräuterbesen. Dafür befestige ich Kräuter, wie zum Beispiel Rosmarinzweige und Thymian, an einem Schaschlikspieß, tunke das Ganze in Olivenöl und streiche damit über das Fleisch – das verleiht ihm eine sehr frische Note.

Wir freuen uns schon auf das nächste Grillen – wenn wir dann nicht hinter dem Grill punkten können, dann auf jeden Fall mit unserem neu gewonnenen Grillwissen. Vielen Dank an „Grillse“ für das interessante Interview, uns läuft jetzt schon das Wasser im Munde zusammen. 😉

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