Aus dem Leben eines Bartweltmeisters: Seine besten Tipps

11. Mai 2020

Erwin Butsch, mehrmaliger Weltmeister der Klasse „Kinn & Backenbärte: Musketiere“ plauderte bei BABISTA aus dem Nähkästchen.

Sein Bart gehört zu ihm wie das Atmen zum Leben, wie er selbst sagt. Kein Wunder, denn er trägt diesen bereits seit über 40 Jahren! In den letzten 10 Jahren widmete er sich dessen Perfektion und  konnte so bereits 3 Weltmeisterschaften, 2 Europameisterschaften, sowie etliche nationale Meisterschaften für sich entscheiden. Selbst seine erste Meisterschaft im Jahre 2012 konnte er mit dem zweiten Platz abschließen. Im nächsten Jahr folgte sogar der erste Platz. Eines Tages ohne Bart aufzuwachen? Das wäre ein Albtraum für ihn!

Im wahren Leben wohnt er mit seiner Frau in der Nähe von Stuttgart und arbeitet als Abteilungsleiter in der Entwicklung eines Automobilzulieferers.  Wenn er nicht gerade mit seinem Bart-Club unterwegs ist, arbeitet er im Garten, spielt Akkordeon, oder beschäftigt sich mit Oldtimern.

Bart-Club, Bartworkshop, Meisterschaft!

Redaktion: Wie kamen Sie dazu bei einer Bartweltmeisterschaft mitzumachen?
Erwin Butsch: Ich hatte schon immer eine Vorliebe für extravagante Bärte und trug einen Oberlippenbart spitz zur Seite und einen kleinen Kinnbart. Auf einem geschäftlichen Rückflug von Wien nach Stuttgart saß ein Mitglied des Bart-Clubs Belle Moustache Leinfelden im Sitz neben mir. Man spricht über Bärte und… Bartworkshop, Mitglied, Meisterschaft!

Redaktion: Wie läuft das in einem Bart-Club ab?
Erwin Butsch: Das ist wie in jedem anderen Verein – man hat ein gemeinsames Thema und arbeitet an Optimierungen. Wir sind nicht nur Bart-Club, sondern auch Kulturklub. Wir organisieren Wanderungen, Ausflüge, Oldtimerpräsentationen und andere Aktionen. Zum Beispiel waren wir als Weihnachtsmänner im Milaneo in Stuttgart zu Gunsten des Kinderhospizes. Außerdem bieten wir Bartworkshops an. So können sich Interessenten dem Thema nähern und wir geben ihnen Tipps für den „perfekten Bart“ einer Kategorie. Es gibt für jede Kategorie exakte Vorgaben bezüglich Wuchs, Hilfsmittel und Ausführung.

Redaktion: Wie kamen Sie dazu sich einen Kinnbart Musketier wachsen zu lassen?
Erwin Butsch: Der Anfang war wohl 1984 – bei einem historischen Umzug steckte man mich in ein Kostüm der Renaissance mit Federbusch und hohen Stiefeln. Ich fühlte mich „sauwohl“ darin. Über den historischen Tanz und die Freude an dieser Zeit kam ich dann zu diesem Bart und über den Bart-Club wohl zu den perfekten Feinheiten!

Redaktion: Wie läuft eine Bartweltmeisterschaft ab? Welche Disziplinen gibt es?
Erwin Butsch: Man muss es sich vorstellen wie einen Tanzwettbewerb. Es gibt 7 Juroren mit Wertungen zwischen 5 und 10. Die beste und schlechteste Wertung wird gestrichen, sodass 5 Wertungen addiert werden. Der mit der höchsten Wertung hat gewonnen. Man schreitet als Teilnehmer an der Jury vorbei und präsentiert seinen Bart im persönlichen Outfit. In meinem Falle, als Napoleon der 3. oder in Empire mit Zweispitz oder in der Uniform von Herzog Friedrich Eugen von Württemberg. Hier habe ich, auch durch mein historisches Tanzen eine mögliche Auswahl. Es gibt 18 Kategorien, 3 Hauptkategorien: Schnauzer, Kinn und Backenbärte, Vollbärte mit jeweils 6 Subkategorien darunter.

Redaktion: Auf was wird bei Ihrem Bart besonders Wert gelegt?
Erwin Butsch: Es geht um die Symmetrie. Die Spitze muss horizontal nach außen verlaufen. An der Lippe darf der Bart nicht zu sehr angewachsen sein, sondern erst 1 cm darüber. Der Kinnbart selbst sollte rautenförmig ausgeformt sein.

Redaktion: Was ist für Sie der verrückteste Bart?
Erwin Butsch: Ich persönlich finde die Freistilklassen am verrücktesten, denn hier darf man alles mit dem Bart machen, wozu man Lust hat. Das ist auch die Königsklassen unter uns Bartträgern. Sie stehen bei Meisterschaften dann schon mal 4 – 6 Stunden vor dem Spiegel.

Redaktion: Können Sie sich vorstellen, noch einen anderen Bart auszuprobieren?
Erwin Butsch: Das ist eine schwere Frage. Bin mir nicht sicher. Ich glaube, ich fühle mich so wohl, wie er ist!

Redaktion: Was haben Sie durch Ihren Bart schon alles erlebt?
Erwin Butsch: Ich habe über die Meisterschaften so viele Leute aus der ganzen Welt kennengelernt und ich werde überall immer gut und freundlich aufgenommen. Ich war in den USA (2017) und werde nach Neuseeland (2021) gehen. Ich habe schon Maskenbälle gewonnen und durfte zum Karneval nach Venedig und war bei verschiedenen Fernsehshows. Ohne Bart wäre das alles nicht gewesen. Er ist auch meine Geschichte!
Ich sage immer: Wir Bartträger sind wie eine große Familie Verrückter. Ein bisschen verrückt muss man ja sein. Wir kennen uns nicht, verstehen uns sofort und liegen uns in den Armen, wenn wir uns wieder sehen. Das ist phantastisch!

Seine tägliche Bartpflege & Tipps


Erwin Butsch nimmt sich jeden Tag Zeit für das Bartstyling. Sonst fühlt er sich nicht wohl.

Redaktion: Wie lange brauchen Sie für die tägliche Bartpflege? Was beinhaltet diese?
Erwin Butsch: Ca. 10 – 15 min. Sie besteht aus Bürsten und Föhnen, etwas Bartwachs (ungarische Bartwichse) für den Schnauzer und starkes Haarspray für den Kinnbart. Also zeitlich hält sich das in Grenzen. Vor einer Meisterschaft kann es allerdings schon mal eine Stunde sein. Da sitzt jedes Härchen!

Redaktion: Welche Tipps können Sie für die Bartpflege geben? Welche Stylingprodukte können Sie empfehlen?
Erwin Butsch: Im Prinzip alle, die es so aktuell gibt. Das hat sich ja gut entwickelt in den letzten Jahren. Das wichtigste ist ein gutes Pflegeöl (jedes Babyöl oder Arganöl), Bartwachs und ein starkes Haarspray oder Haarlack. Dazu eine Naturhaarbürste, kein Kunsthaar und dann ist man schon ausgerüstet. Natürlich braucht man noch einen Föhn mit Kalttaste, nicht zu stark blasend, 2 – 3 Stufen!
Am besten, sage ich immer, ausprobieren und aussortieren. Es muss gut riechen und gut halten. Man hat es immer unter der eigenen Nase und die Partnerin muss es leiden können 🙂

Redaktion: Was trägt ein Bartweltmeister denn für Kleidung im privaten Leben?
Erwin Butsch: Während ich auf Bartweltmeisterschaften Kostüme der Renaissance trage, um so meinen historischen Bart optimal zu präsentieren, bevorzuge ich es privat doch lässiger.

Sein Lieblingsoutfit

Lederjacke mit leichter Struktur Reisehose mit 7 cm mehr Bundweite Hemd mit Doppelkragen Gürtel individuell einstellbar Schnürschuh mit kontrastfarbenen Ziersteppnähten 1 Bewertung

Der Bartweltmeister durfte sich natürlich auch ein BABISTA-Outfit aussuchen.
Seine Wahl fiel auf eine lässige Lederjacke aus Nappaleder mit einem klassischen Hemd. Dazu kombiniert er eine bequeme Reisehose mit einem farblich passendem Gürtel aus Rindsleder und den passenden Schuhen.

Konnte Euch der Bartweltmeister inspirieren Euch auch einen Bart wachsen zu lassen? Möchtet Ihr Euer Outfit mit einem stylischen Bart aufpeppen? Weitere Infos zu Bärten findet Ihr in unserem Bartratgeber.

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